Ein Ausflug nach Triest. Schon der Stadt wegen an der Adria. Die Kultur ausstrahlt. In mehrfacher Hinsicht. Zum Einen die Leute. Ihre quirligen freundlichen Gesten. Angenehmes Temperament. Zum anderen das Leben an sich. Die entspannte Weltoffenheit, die dort wahrzunehmen ist. Musik, Kunst; alles zeugt von Anschluss an ein Europa, das sich nicht hinter Engstirnigkeit vergräbt. Es ist nur ein Sprung über die Grenzen Kroatien-Slowenien, Slowenien-Italien. Ein paar Kilometer, die Istrien von der italienischen Hafenstadt trennen. Aber es ist wie eine kleine Reise in eine andere Sphäre. Ein kurzes Stelldichein, das freilich lange nachwirkt.
Diesmal ließen sich zwei Dinge mitnehmen. Parmigiana, gekostet in der Salsamenterìa Palato in der Altstadt-Fußgängerzone. Das neapolitisch-sizilianische traditionelle Gericht, so köstlich wie seine jahrhundertealte Herkunft, ist bekannt von vielen Vorspeisen-Karten. Aber immer wieder entlockt es paradiesische Gefühle. Es wurde vermutlich aus dem arabischen Raum nach Europa gebracht. Von Händlern, die damals wie heute die europäische Küche bereichern. Dabei besteht es aus nur wenigen Zutaten: Aubergine, Tomaten-Sugo mit Knoblauch, Salz und Pfeffer, Basilikum, Parmigiano und Mozarella.

Und der ganz und gar wunderbare Nachklang einer höchst niveauvollen Aufführung im Theater Giuseppe Verdi. Gesungen und gespielt wurden Béla Bartók (Herzog Blaubarts Burg) und La Porta Divisoria von Fiorenzo Carpi. Von ihm hatte ich bislang noch nicht und nichts gehört. Fiorenzo Carpi komponierte die Oper in Zusammenarbeit mit Georgio Strehler, dem berühmten Mailänder Theaterregisseur. Dessen Vater Bruno war Triestiner mit Wiener Wurzeln. Verheiratet mit einer Frau aus dem kroatischen Zadar. Die Oper, instrumental eher kammerspielartig besetzt, adaptiert Franz Kafkas Erzählung Die Verwandlung.

Was so großartig war an diesem Abend: Das empathische Durchhaltevermögen des Publikums. Auch das zeichnet, so sei unterstellt, Triest aus. Denn Fiorenzi Carpi und mithin das Orchester in rudimentärer Besetzung stellen die Sinne vor eine nicht geringe Herausforderung. Die Musik entzieht sich dem Hörvermögen an Klassiker gewöhnter Ohren; sie ist durchwoben von schwierigen Kolleraturen und Taktungen. Eine Musik, in der sich nicht romantisch schwelgen lässt, sondern die verlangt, konzentriert bei der Stange zu bleiben. Am Ende, so spürte man, war Bartóks Oper dem Saal dann schon fast ein bisschen Erholung.
Womit sich wieder der Bogen zur Parmigiana schlagen lässt. Auch sie ist, anders als die Zutaten vielleicht glauben machen, durchaus herausfordernd. Die Zubereitung bedarf einiger Zeit und einigem Geschick. Die Kunst liegt in der Beherrschung des Einfachen. Zum Beispiel dem Wälzen der Auberginescheiben in Mehl und dem wirklich nur goldgelben Anbraten. Den gut austarierten Mengen von Parmesan und Mozarella. Am Ende allerdings vergisst man die fast eineinhalbstündige Arbeit, die hinter dem Gericht steckt. Die Parmigiana ist nichts Geringeres als ein lukullischer Segen. Und kann perfekt von Wein oder Prosecco flankiert werden.
Der Weg zurück von Triest nach Istrien, in das altertümliche Dorf Bale, also begleitet von den Düften der Parmigiana und den Klängen im Theater Giuseppe Verdi. Was lag da näher, als gleich am nächsten Tag die Parmigiana nachzukochen. Alle Zutaten lassen sich Gottseidank in Istrien auf Märkten kaufen. wenn auch Vieles, was zu kaufen ist, nie auf den Tellern der Restaurants landet. Was wirklich tragisch ist. Aus den Nachklängen und dem Nachduften des Zwei-Tage-Trips ließ sich mithin ein Abend gestalten, der sich auf einer Welle des Wohlbefindens bewegte. Triest, um die Ecke, und jederzeit wieder.

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