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Andreas Mijic

Freelancer, Thinktank, former ARD, Artist


Tanz On PUF

Man wünscht sich in Istrien mehr davon. Mehr modernen Tanz. Ballett. Mehr von einer Kultur abseits des immer wieder auffälligen Hangs zur Folkore. Wie das International Theatre Festival PUF (Pula’s Alternative Festival). Gegründet zu Zeiten des Jugoslawien-Kriegs. Weil die Initiatoren aus Pula, Zagreb, Sisak und Čakovec in Kroatien einen Ort suchten, der nicht direkt von den Wogen der Gewalt getroffen wurde, wählten sie Pula. 1995 gegründet, blieb es in der Stadt. Als Off-Festival, das seitdem Jahr für Jahr viele Zuschauer anzieht. Ein diverses Publikum, das auf Niveau setzt. Klasse wünscht.

Der Wunsch wurde auch in diesem Jahr erfüllt. Fünf Tage lang. Companies mit Tänzer:innen aus Kroatien, Bosnien&Herzegowina, Slowenien, Spanien, Australien, Süd-Korea, Frankreich, Ungarn und Tschechien. Ein mitreißendes Programm. Das herausforderte. Politisch. Poetisch. Emotional. Es galt, Augen&Ohren zu öffnen. Die Geschichten, die auf die Bühne gelangten, nicht leicht verdaulich. Berührend allemal. Persönliche Hintergründe spielten mit. Erfahrungen, die in tänzerische Virtuosität gekleidet wurden. Eindringliche Bewegungen zu eindringlichen Sounds.

Das INK, das Istarsko narodno kazalište, das istrische Nationaltheater in Pula, ist Stadttheater und kulturelle Institution. 1948, weit vor dem PUK, gegründet. Das Gebäude selbst ist sehr viel älter. Von 1871. Damals Politeama Ciscutti. Man will, in diesen Tagen, da sich der Terror in der Welt Bahn bricht, gar nicht erzählen, wer dort alles – neben vielen Künstlern – auf der Bühne stand. Umso glücklicher können sich die schätzen, die eine friedliche Rezeption allerdings auch nicht stets friedlicher Biografien ansehen durften. Nicht selten schwangen in den Aufführungen dramatische Schicksale mit.

Das Drama in jedweden Lebens freilich ist ja häufig Antriebskraft in der Kunst. Auch der, sich in mal sanften, mal kühnen Bewegungen körperliche Freiräume zu schaffen. Und damit seelische und geistige. Die Botschaften, die beim PUK-Festival überbracht wurden: Auch Wortlosigkeit kann beredt sein. Der Tanz, in seinen unendlichen Formen, kann sprechen. Kann ein Narrativ sein, das lesbar ist. Flankiert von Klängen. Eingebettet in – hier in Pula – meist minimalistische Bühnenbilder. Zu begreifen, worum es geht, hat im modernen Ballett seit jeher abverlangt, Fantasie zu mobilisieren.

Was das PUK-Festival seit seiner Taufe immer verstehen wollte und verstand: Alle Arbeiten, alle Ästhetik und Poetik des Tanzes loszulösen vom Mainstream. Das profesionelle mit dem Amateur-Theater zu koppeln. Voneinander profitieren zu lassen. Was anfangs, so wird geschildert, noch als naive Intension betrachtet wurde, fand über die Jahre und Jahrzehnte seine persönliche Handschrift. PUF wollte und will inspirieren und provozieren. Die Blicke auf das Tanztheater so weit wie möglich öffnen. Um eine maximale Basis für tänzerische Kommunikation zu schaffen.



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