Manche mögen das für harmlose Performance halten: Doch die ARD-Sendung Caren Miosga am Sonntagabend (10. Mai 2026) konnte aufmerksame politische Seele allemal aufrütteln. Von ca. 22:33 Uhr an bis fast zum Sendeschluss war als Hintergrundbild ein Foto mit den AfD-Spitzen Weidel und Chrupalla zu sehen. Zu Gast war allerdings die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Sie wurde von der Moderatorin vor allem zum Zustand der schwarz-roten Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz und seinem Vize Lars Klingbeil befragt. Dabei ging es am Rande auch um die Frage, inwieweit etwa die in die Kritik geratene Sozialpolitik der Bundesregierung die AfD stärkt oder weiter stärken könnte. Und da vor allem um die Kommunen. Die Studiokamera fuhr teils nah an das Weidel/Chrupalla-Bild heran. Und schuf eine Einheit mit Schwesig und der AfD. Teils erschien das Bild nahezu bildschirmgroß.
Harmlose Performance? Wenn ja, muss sich die Redaktion die Frage gefallen lassen, nicht: ob sie damit der AfD dient. Sondern ob es angemessen ist, die Ministerpräsidentin von der SPD bei allen Vorwürfen, die man den etablierten Parteien, auch ihrer Partei, machen kann, derart in schlechte, ich würde sogar sagen diffamierende Szene zu setzen. Und ob das noch den demokratischen Gepflogenheiten entspricht, die die Öffentlich-Rechtlichen immer wieder hochhalten.
Es gibt Grenzen, die Journalismus nicht überschreiten darf. Das sind neben allerlei gesetzlichen Grenzen etwa Grenzen, die der Presserat definiert. Weshalb Medien bisweilen in Verruf geraten. Darüber hinaus gibt es freilich Grenzen, die man Grenzen des guten Geschmacks nennen kann. Um die scheren sich manchen Medien nicht. Die Öffentlich-Rechtlichen wären gut beraten, sie in Sendungen wie CM zu wahren. Zumal dann, wenn es um Politik geht. Wo guter Geschmack längst nicht immer die Regel ist. Und vieles ein so genanntes Geschmäckle hat. In die Nähe dessen sollte man sich nicht begeben.
Ich bin, da ich diese Zeilen schreibe, nicht sicher, inwieweit die Dauererscheinung der AfD-Gesichter bei CM in den Sozialen Medien Thema ist oder sein wird. Und ob die Bildgebung ein Nachspiel haben könnte. Ich weiß auch nicht, inwieweit es Reaktionen gäbe – oder gibt, sollten der ARD Proteste ins Haus flattern. Ich kann mit vorstellen, wie Reaktionen aussehen könnten. Aber all das weiß ich nicht. Man wird sehen.
Was ich weiß, ist aber, dass ich eine derartige Redaktions- oder Regie- oder wie auch immer -führung für fragwürdig halte. Nicht, weil ich die AfD aus dem politischen Diskurs ausschließen wollte. Obschon ich hoffe, dass ein Wunder geschieht und diese rechtsextreme Partei in der Versenkung verschwindet. Oder sie von Wähler*innen, die halbwegs bei Sinnen sind, dorthin befördert wird. Man kann eine Partei, die derart ins politische Leben gewachsen ist, nicht ignorieren. Auch nicht im medialen Geschäft.
Aber man kann, dessen bin ich mir sicher, eine Sendung so gestalten, dass sie einen gewissen politischen Anstand hat. Das ist am Sonntag ab 22:33 Uhr nicht mehr der Fall gewesen. Das mögen Andere anders sehen. Zu meinem ethischen Verständnis passt das nicht. Und hat es nie gepasst.
Ich bin gespannt, ob es weitere Stimmen dazu gibt.

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