…SCHÖNER WERDEN! Hieß einmal ein Wettbewerb, der Ideen ans Licht der Öffentlichkeit befördern sollte, wie Lebensräume attraktiver gestaltet werden können. Der Wettbewerb trägt mittlerweile den Slogan UNSER DORF HAT ZUKUNFT. Er will laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft „bürgerschaftliches Engagement“ im ländlichen Raum stärken. Schirmherr ist der jeweilige Bundespräsident. Angestoßen werden soll die „wirtschaftliche, soziale und ökologische“ Entwicklung. Das ist eine ziemliche Bandbreite. Die, dem Aufruf dazu folgend, entsprechend viel umfasst. Genannt werden „Themen wie soziale Einrichtungen, Kulturangebote, ein lebendiges Vereinsleben, wirtschaftliche Aspekte, Fragen der Nahversorgung, Digitalisierung, Mobilität, Klimaanpassung sowie eine verantwortungsvolle Bau- und Grüngestaltung“. Alles gilt, wohlgemerkt, für Dörfer. Und lässt, so möchte man meinen, viel Platz fü allerlei Fantasien über, beispielsweise, Geranienpracht an Balkonen hinaus.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat, so könnte man denken, dieser Fantasie auf seine Weise Anschub geben wollen. Als er nicht nur das Dorf-, sondern vor allem auch das „Stadtbild“ einbezog. Und meinte, einen Wettbewerb anheizen zu müssen, der auch thematisch deutlich ausgeweitet gehört. Warum also nicht UNSERE STADT SOLL SCHÖNER WERDEN – UNSERE STADT HAT ZUKUNFT? Und warum bloß darauf schauen, dass Plätze und Rathäuser schöner gestaltet und Fußgängerzonen bepflanzt werden. Und nicht auch mal einen Blick auf die Menschen werfen, die sich da in den Städten so tummeln. Ist das „Bild mit Migranten“, das Merz da sah, in dem sich oben rechts „Töchter“ finden, denen, an Grautönen erkennbar, von den Migranten im Zentrum des Gemäldes die Hölle heiß gemacht wird, etwa schön?, fragte sich und alle Betrachter der Kanzler. Wenn unsere Stadt ZUKUNFT haben soll, so seine Conclusio, müssen die Migranten weg. Woran, wie er wissen ließ, fleißig gearbeitet werde.
Damit die Idee nicht etwa als rassistisch gewertet werden würde, schob er allerlei Dinge nach, die in seinem „Stadtbild“ nicht auf Anhieb sichtbar sind. Illegalität, Schleuserbanden, Sozialabzocke – mit diesen Begriffen ließe sich umreißen, wie Merz versuchte/versucht,, das „Bild mit Migranten“ als nicht gerade wettbewerbstauglich darzustellen. Weswegen sein „Stadtbild“, wenn es auch nur die geringsten Chancen haben sollte, auf einen der vorderen Plätze bei UNSERE STADT HAT ZUKUNFT zu kommen, am Besten und dringend zu einem „Stadtbild ohne Migranten“ werden sollte. Ohne „Töchter“, die Angst vor Migranten haben müssen. Sondern mit glücklichen „Töchtern“, die DANN geranienbunt im Zentrum des Gemäldes stehen. Mit unbescholtenen und wie zufällig weißen Männern, die ihnen Blümchen sticken. Während links oben eine unendlich wirkende Schar von Migranten in Illegalität-Schleuserbanden-Sozialabzocke-Mänteln der Szenerie den Rücken kehrt. Welch schönes Bild, gez. Merz (alias Dobrindt).
Nun ist es so, dass nicht alles, was von der Galerie der Bundesregierung herabhängt, als das wahrgenommen wird, was der Kanzler in den Bildern sehen und gesehen haben will. Weder in dem „Stadtbild mit Migranten“ noch in dem „Stadtbild ohne Migranten“. Kritiker, die derartig kunstbanale Verschiebungen von einer zur anderen Fälschung auf den ersten Blick entlarven, sehen, dass weder das eine noch das andere „Stadtbild“, das Merz da vorführen möchte, etwas mit der wirklichen Wirklichkeit zu tun hat. Sondern dass es eben, siehe oben, nur etwas ist, was der Fantasie entspringt. Und zwar einer ganz und gar von Kunstbanausen verdorbenen. Und dass sich diese Banausen, die derzeit aus allen Ecken der Republik strömen, in Form eines von Fälschungen überfluteten Kunstmarktes vor allem dem aus ihrer Sicht notwendigen „Kulturkampf“ verschrieben haben. Das aber reicht nicht für UNSERE STADT SOLL SCHÖNER WERDEN aus, schon gar nicht für UNSERE STADT HAT ZUKUNFT.
Unbestätigt sind Berichte, wonach Kanzler Merz deswegen schamvoll von seinem Wettbewerbsbeitrag Abstand nimmt. Sein Atelier schließt, die Palette an den Nagel hängt und mit Bundesinnenminister Dobrindt in der bayerischen Provinz einen Laden mit unverfänglichen Souvenirs aus dem ländlichen Raum aufmacht. Unbestätigt sind auch Berichte, wonach er ein Angebot von Alice Weidel und Tino Chrupalla annimmt, seine Gemälde in der Galerie „Braun & Schädlich“ auszustellen. Wie zu hören ist, aber ebenfalls bislang nicht bestätigt wird, ersinnt er vielmehr einen Plan, den ganzen Wettbewerb UNSERE STADT SOLL SCHÖNER WERDEN – UNSERE STADT HAT ZUKUNFT einzustampfen. Er soll sich, auch weil ihm in der Union nicht mehr alle, um nicht zu sagen viele seine Pinseleien übel nehmen, statt dessen bockig an der Spree verbarrikadieren. Und eine riesige Brandmauer gegen etwaige neue Aktionen des ZENTRUMS FÜR POLITISCHE SCHÖNHEIT hochziehen.
Derweil haben sich die Koordinaten des weiterhin gültigen Wettbewerbs UNSER DORF SOLL SCHÖNER WERDEN – UNSER DORF HAT ZUKUNFT“ verschoben. Zu den Themen, die dort bisher genannt wurden, hat sich unter dem Motto UNSER LAND SOLL MENSCHLICHER WERDEN, so der neue Titel, eine Betrachtung des Politikbildes gesellt, einschließlich Politikern. Gefragt, so die Ausschreibung, sind Pläne, wie unser Land und damit auch die Städte und Dörfer, tatsächlich sozialer, wohnlicher, klimaverträglicher undsoweiter werden können. Und wie ein „lebendiges Vereinsleben“ und „bürgerschaftliches Engagement“ hierbei hilfreich sein und sich an die Spitze aller entsprechenden Bemühungen und Fantasien stellen kann. Viele haben dazu schon diverse Beiträge eingereicht. Das Kanzler-„Stadtbild“ hat, das sei eingeräumt, dazu beigetragen, dass hier doch Einiges in Gang kommt. Bei Erfolg, so wird gemunkelt, wolle man Merz einen Ehrenplatz einräumen. Weit hinten m SAUERland.

Hinterlasse einen Kommentar