Ach ja, Herr Waibel. Ambros. Oder Ambos? Jedenfalls hat auch die „taz“ ihren Haudrauf. Seine Schwingungen sind nachzulesen in einem Beitrag mit der Headline „Der Wehrpflicht-Kompromiss beweist demokratische Stärke“. Man muss ein bisschen entspannt sein. Sich zurücklehnen ist erlaubt. Eine Haltung gewisser Distanz. Damit man die Stoßrichtung der Waibel’schen Worte begreift. Die, nun, ich sage mal: Nicht so wirklich „taz“-like sind. Weil sie, anders kann man es am Ende nicht lesen, einer Richtung zuneigen, die im linksliberalen Spektrum derzeit eher weniger zu finden ist. Der, dass wir nämlich im Gegensatz zu einer „wehleidigen und geschichtsvergessenen Inszenierung, die in Teilen der deutschen Öffentlichkeit die Frage einer europäischen Wiederaufrüstung begleitet“ (Zitat Waibel), so etwas wie eine „glaubwürdige Abschreckung“ auf die Beine stellen müssten. Weil? Gegen das „mafiös-faschistische Putin-Regime“ drängender Handlungsbedarf bestehe. Letzteres ist ohne Zweifel der Fall.
Nur ob es Säbelrasseln im Pistorius-Sound sein muss; verbunden mit der Rekrutierung zigtausender weiterer Soldat*innen? Ja! – so entnimmt man dem Beitrag von Ambros Waibel in der „taz“. Der mit Blick auf den in der Tat verbrecherischen Überfall und das russische Großmachtstreben und eingedenk der Lehren aus der deutschen Geschichte, hier im Sinne eines Bollwerks gegen Putin, eine Kernbotschaft, „die vom 8. Mai 1945 bis ins Heute ausstrahlt“, aufwandelt. Danach gelte nicht „Nie wieder Krieg“, sondern „Nie wieder Faschismus!“ Die Botschaft freilich hieß „Nie wieder Faschismus. Nie wieder Krieg!“. Ohne dass einem der beiden „Nie wieder…“ ein Vorrang gegeben wurde. Geprägt wurde sie von befreiten Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald. Weil a) Faschismus und Krieg der Nazis untrennbar zusammenhingen. Und b) nach dem Zweiten Weltkrieg die Menschen weder Krieg noch jemals wieder Faschismus wollten. Beides war Opfern wie Alliierten zuwider (geworden).
Wer freilich die Debatte um Krieg, Aufrüstung und Friedensbemühungen bezüglich des verheerenden Russland-Ukraine-Konflikts so verdrehen und zugleich anheizen möchte, wie es den Waffennarren der Republik eigen ist, dem ist auch die krudeste Volte recht. Die besagt, dass die „Zivilisierung der (west)deutschen Gesellschaft“ offenbar derart „gründlich“ war, „dass inzwischen sogar Nazis zum außenpolitischen Pazifismus neigen“. Soweit sie nicht eh schon „auf der Payroll Putins stehen“. Gekoppelt mit dem Seitenhieb, dass die „Feinde der Demokratie, von Putin bis Trump, von der AfD bis ins linksreaktionäre Milieu hinein“ ohnehin eine besondere Attitüde pflegen, nämlich die der „Verachtung“. Das Menu ist fertig. Der Chef de Cuisine Waibel hat angerichtet. Zumindest Gang eins und zwei. Fehlt noch das magenschließende Dessert. Wie bekommen wir am Ende die Menschen dazu, unser Land mit der Waffe zu verteidigen? In dem wir die Gesellschaft gerechter machen, das weckt wehrfähige Lust.
So jedenfalls tönt es aus dem Zeilen-Gewirr des verirrten „taz“-Autors. Denn klar, die Menschen seien nur davon zu überzeugen, dass es gegen Putin eines gewaltigen Mitmach-Aufrüstungsprojekts bedarf, wenn das, was er bedroht, auch wirklich für Kriegstüchtigkeit spricht. Dafür, so Waibel, brauche es unbedingt eine sozialdemokratische Partei, „die ihre soziale und ihre antifaschistische Tradition ernst nimmt“. Text Waibel: „Wer keine Wohnung findet, wird kaum in eine Kaserne ziehen“. Wow. Machen wir also eine Wohnungspolitik für die Menschen, damit die Menschen für einen etwaigen Abwehrkrieg gegen den Fascho Putin gerüstet sind. Ambros Waibel., Küchenchef im Resto „Zum fröhlichen Pistorius“. Die Speisekarte ließe sich laut dem Drei-Sterne-Mann an der „taz“-Front beliebig erweitern. Der Kanzler Merz als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet sieht. Während die Ukraine weiter täglich von russischen Raketen terrorisiert werde. Waibels Speisekarte – kein Gericht, das nicht nachgekocht würde.
Ich bin mir sicher, dass sich die meisten der „taz“-Community von derart verschwurbeltem Geist nicht in die Suppe spucken lassen. Und erkennen, dass das, was hier serviert wird, ungenießbar ist. Zum Glück ist in der „taz“ auch anderes zu lesen, was weniger verwegen zusammengerührt daherkommt. Die Einschätzung, dass Putin einen Krieg führt, der nicht nur die Ukraine in Schutt und Asche legen soll, sondern auch auf die Demokratie in Europa bedrohlich wirkt, ist ja richtig. Richtig ist auch, dass diese Demokratie wehrhaft bleiben muss. Sie muss allerdings in der Lage sein, sich gegen innere UND äußere Angriffe zu wehren. Dazu gehört, dass sich die Frage nach der Wehrhaftigkeit nicht im Schlepptau einer militaristischen Außenpolitik bewegt. Die das Soziale bellizistischen Erwägungen unterordnet. Dann nämlich würde man dem Faschisten Putins und seiner hybriden Strategie komplett aufsitzen. Wehrhaftigkeit auf Kriegstüchtigkeit zu gründen, das schmeckt ungeheuer schnell nach politischem Fastfood.

Hinterlasse einen Kommentar