Es war absehbar. US-Präsident Donald Trump hat wahr gemacht, was in der Luft lag. Sein Angriff auf Venezuela war nur eine Frage der Zeit. Die „Gefangennahme“ von Staatschef Nicolás Maduro und seiner Frau, die Trump auf seiner Plattform „Truth Social“ verkündet, ist der vorläufige völkerrechtswidrige Höhepunkt seines Drucks auf einen Machtwechsel in dem lateinamerikanischen Land. Vordergründig ging es Trump um den Kampf gegen eine bis in die USA übergreifende venezolanische Drogen-Mafia. Nur für Dummköpfe weiter hintergründig geht es ums Öl. Das laut Trump den USA gehört. Ehedem hatte die Regierung Venezuelas die Öl-Industrie verstaatlicht. Mit Folgen für US-amerikanische Konzerne. Land, Öl, Vermögen – alles geklaut, ließ Trump die Welt wissen. Seitdem war klar: Trump würde Venezuela militärisch in die Knie zwingen. Aus seinen Drohungen wurde jetzt ernst.
Der Konflikt hatte sich zunächst auf dem Meer hochgeschaukelt. Zuletzt bezeichnend mit Angriffen auf Öl-Tanker. Dass der US-Präsident parallel zu seinen ozeanischen Attacken Maduro immer wieder mit Vorwürfen, in Drogengeschäfte involviert zu sein, zuballerte, war Teil seines einzig wahren Plans: Regime-Change. Öl her. Ob Venezuela, Iran oder Nigeria. Was immer man von den Regierungen dort halten mag: Wenn Trump befindet, dass ihm etwas nicht passt, greift er notfalls zum Äußersten. Das mag seiner interventionistischen Glaubensgemeinde imponieren. Andere dürften, so noch nicht geschehen, endlich erkennen, dass der Mann keinen Spaß macht, wenn er davon spricht, dass im Grunde die halbe Welt ihm gehöre. Grönland, Kanada – Wurscht, Hauptsache Vereinigte Staaten von Amerika. Wer den alias Dagobert Duck bremsen will, sollte sich beeilen.
Wer glaubte, Trump ginge es irgendwo auf dem Globus auch nur ansatzweise darum, seinen Wunsch nach dem Friedensnobelpreis ernsthaft zu untermauern, hat sich geirrt. Er setzt die Politik vieler seiner Vorgänger nicht nur fort. Er bringt sie zu neuer imperialistischer „Blüte“. Einzig wenn einem ungeduldigen Präsidenten das Ziel, etwa der Zugriff auf Rohstoffe und/oder erheblicher politischer Einfluss und dafür notwendige militärische Schritte, zu viel Geduld abverlangen, wird abgelassen. Afghanistan ist dafür ein Beispiel. Ging zu lange. Truppeneinsatz zu teuer. Alternativ hält Trump eine seiner unflätigen Sprechstunden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi kann bittere Lieder davon singen. Selbst Russlands Präsident Wladimir Putin, gestern noch in Alaska umgarnt, wird, wenn er nicht spurt, übel beschimpft. Und quasi über Nacht vom Fast-Freund zum Wieder-Feind.
Wer glaubte, „America First“ sei ein Slogan, der sich nur innenpolitisch auszahlen sollte, irrt. Innenpolitisch rupfte Trump sein Land durch eine aggressive Zollpolitik und andere Daumenschrauben, die er anzog. Sozialpolitisch. Kulturpolitisch sowieso. Nun, da er innenpolitisch nicht wirklich punkten kann, was auch seiner isolationistischem Entourage allmählich gegen den Strich geht, versucht er den Slogan außenpolitisch umzupolen. „America First“ bedeutet nicht mehr den Schutz des eigenen Landes, sondern zunehmend das Ausgeliefertsein anderer außerhalb der US-Grenzen. Am Besten es lässt sich das eine mit anderem verbinden. Der Kampf gegen Drogen in den USA zum Beispiel mit dem Kampf gegen das auf Öl sitzende Regime in Venezuela. Dann fühlt sich Trump so richtig in seinem Element. Großmacht mit drei Buchstaben. USA. Aber vor allem: ICH, Trump.
Sollte dieser Tage der Präsident der Münchner „Sicherheitskonferenz“, Wolfgang Ischinger, darüber nachdenken, ob es eine gute Idee war, die rechtsextreme AfD für Ende Februar in die bayerische Metropole einzuladen, könnte er ja zugleich drüber nachdenken, ob die Konferenz noch ihren Namen verdient, wenn die USA mit am Tisch sitzen. Ob Rechtsextreme, von denen viele mit Putin liebäugeln, oder das transatlantische Überfallkommando, das den Schulterschluss mit der AfD sucht: Von Sicherheit kann bei solchen Gästen kaum die Rede sein. Sowohl die AfD als auch die USA stellen in ihren jeweiligen Dimensionen mittlerweile eher ein Sicherheitsrisiko dar. Ich möchte nachts weder Björn Höcke noch Donald Trump oder J.D. Vance in einer dunklen Gasse begegnen. Ich hätte ernsthaft Angst, dass sie den Baseball-Schläger rausholen. Und ich in Thüringen oder auf Alcatraz lande.

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