Die „Tagesschau“ hat am Tag der Gefangennahme Nicolás Maduros durch die USA mit dem von US-Präsidenten Donald Trump geposteten Foto aufgemacht. Es zeigt als Vollbild den venezolanischen Staatschef in demütigender Bildsprache. DAS GEHT ÜBERHAUPT NICHT! Denn das Foto steht nicht nur für die Festnahme Maduros. Es steht vor allem für das völkerrechtswidrige Vorgehen der Vereinigten Staaten von Amerika. Seht her, sagt Trump: Ich mache mit anderen Staaten und deren Repräsentanten, was ich will. Selbst wenn man Maduro als unerträglichen Diktator eines lateinamerikanischen Staates betrachtet, ist eine derartige Aufmachung nicht bloß die Übernahme der Demütigung eines fragwürdigen Präsidenten. Sie demütigt auch das venezolanische Volk. Unabhängig davon, wie jeder darin zu Maduro steht. Genau das will Trump, will das Bild. Trägt, wer es zeigt, weiter.
Bilder stehen, da sie in Sekundenschnelle verbreitet werden, auch sekundenschnell für politische Haltung. Sie können aufklären oder verklären. Sie können Menschen in ihrer Verletzlichkeit zeigen oder für Menschenverachtung stehen. Das Foto, das Maduro mit verbundenen Augen zeigt, steht nicht nur für die Verachtung seiner Person. Es steht für die Verachtung des Selbstbestimmungsrechts des Volkes von Venezuela. Im Falle der Veröffentlich durch Trump auf dessen Portal „Truth Social“ steht es noch für weitaus mehr. Es steht dafür, dass sich Trump, wie mit Blick auf Grönland auch, der Europa trifft und treffen soll, einen Dreck um internationale Regeln schert. Und im Zweifel auch einen Dreck um internationales Recht. Er steht damit auf einer Stufe mit Russlands Präsident Wladimir Putin. In der Ablehnung globaler „Spielregeln“ sind sich die beiden Autokraten bruderhaft nah.
Wenn der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz sich in ersten Reaktionen auf die Komplexität des Vorgehens von Trump beruft, macht er sich mehr gemein mit Trump als dass er dem Völkerrecht verpflichtet auftritt. Denn so komplex sich der „Fall“ mit Blick auf die politischen Verhältnisse in Venezuela und seinen bisherigen Staatschef Maduro darstellen mag, so einfach ist es festzustellen, dass sich das Vorgehen Trumps gegen alles richtet, was das Völkerrecht impliziert. Das könnte man, wenn man das Völkerrecht ernst nimmt, genau SO formulieren. Aber so formuliert es der Kanzler der deutschen Bundesregierung nicht. Er, der an anderer Stelle von der notwendigen neuen Souveränität Europas spricht, ist hier alles andere als souverän. Und tritt mit seiner Haltung die Souveränität anderer Staaten mit Füßen. Seine Europa-Sprüche sind Makulatur. Er ist und bleibt ein Lakai der Schwäche.
Wenn Merz als Kanzler für eine neue verantwortungsvolle Politik Europas stehen soll, dann beweist sich an dieser Stelle, dass er der falsche Mann dafür ist. Der falsche Kanzler und der falsche Europäer. Einer, der auf der internationalen Bühne Kellner ist und nicht Koch. So gerne er auch in der Küche Fünf-Sterne-Gerichte anrühren möchte. Die Sterne, die in der Fahne der EU für einen Zusammenhalt Europas, nicht zuletzt auch im Sinne des Völkerrechts stehen sollen, brechen auch Dank seiner Hilfe zunehmend heraus. Ob der Russland-Ukraine-Konflikt oder der Konflikt im Nahen Osten, ob jetzt betreffend Trumps Venezuela-Überfall: Merz huldigt im Härtefall zweifelhaften Interessen. Für sie steht das Bild der Demütigung, das Trump gepostet hat – und das von Medien zumindest fahrlässig in Umlauf gebracht wird. Es steht für das Beugen von Souveränität.

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