Der Linken-Faupax in Thüringen, bei dem sich die Partei aufs politische Schicksal verlegt, fördert immer weitere mediale Blüten zu Tage. Jetzt klagt der „Freitag“-Autor Michael Bartsch darüber, dass Leitmedien die Causa aufgriffen. Der „Spiegel“ den Fall „skandalisierte“. Muss man da etwas „skandalisieren“. Oder wird, eventuell, versucht, einen Skandal mit allerlei unbrauchbaren Besen unter den Teppich zu kehren? Je mehr Letzteres angesteuert wird, um so peinlicher wird die Tatsache, dass Die Linke in Erfurt einen Antrag, dem die AfD in der Debatte Zustimmung signalisiert hat, mit Rückendeckung der Rechten passieren ließ. Und danach darüber jammerte, dass ihr die Regierungskoalition nicht aus der Patsche half. Das mag stimmen und sogar Absicht gewesen sein. Um Die Linke ins Messer der AfD laufen zu lassen. Aber derlei Taktiken lassen sich erahnen. Man ist handlungsfähig. Wenn man zu handeln fähig ist.
Das aber war Die Linke nicht. Statt ihren wohlmeinenden Vorstoß für eine Bundesratsinitiative zur bundesweiten Sportstättenförderung auf Eis zu legen und mit der Koalition ins Gericht zu gehen, ließ man sich von der AfD die notwendige Mehrheit besorgen. Tat also, was ehedem CDU-Chef Merz in Sachen Migration tat. Und was, zu Recht, von der Linkspartei kritisiert worden war. Michael Bartsch folgt dem Klagelied der Linken. Dass die Union ihrerseits eine miese Verschwörungsstory über einen angeblichen Pakt der Linken mit den Rechten in Umlauf brachte, führt ihn zum Schluss, dass mal wieder deutlich werde, wie sehr Konservative ihren Feind links sähen. Dass dieser Feind derlei Narrativ munitionierte, darüber wird das Tuch der Selbstberuhigung geworfen. Das ist nicht schwach. Das ist GANZ schwach. Das ist das Schwächste, was sich medial aufbieten lässt.
Wenn alle Liberalen und Linken im Land ihre Kräfte gegen die AfD aufbieten wollen, und das ist zu wünschen und zu hoffen, dann müssen sie sich in Fällen wie dem in Thüringen allesamt an die eigene Nase fassen. Und darüber nachdenken, ob solche „Schicksalsvoten“ und ein Sich-aus-dem-Staub-machen ( der Koalitionäre) das Land mitsamt seiner Demokratie eher beschädigt oder ob politische Nachlässigkeiten verziehen werden sollte. Die AfD jedenfalls lacht sich ob der Rechtfertigungsarien, die Linke wie ihre medialen Unterstützer trällern, ins Fäustchen. Das ist um so schlimmer, als in Thüringen der Neofaschist Björn Höcke an der Spitze der Rechten steht. Was immer selbst der geschätzte und kluge Herr Ramelow dazu zu sagen hat, es klingt schief und wenig überzeugend. Wie immer wir das notwendige Bollwerk gegen rechts nennen, es hat diesmal gewackelt.
Ich weiß nicht, ob der Linken damit geholfen ist, das zu leugnen – statt ihr den Tipp zu geben, sich auch bei Anträgen mit allerbesten Absichten nicht derart dilettantisch zu verhalten. Und in der Bewertung des politischen Versagens dann noch dilettantisch einen drauf zu setzen. Wer will, dass eine Bewegungslinke nicht Gefahr läuft, das Wort Bewegung mit fragwürdiger Flexibilität zu verwechseln und sich der Häme auszusetzen, der darf schon verlangen, dass sich Die Linke hier verbindlich an die eigene Nase fasst. Es gibt immer Wege, politisch integer zu bleiben. Auch wenn eine Koalition ihrerseits alles tut, um integre Initiativen zu versemmeln. Herausreden ist stets blöd. Dem „Freitag“ sei mitgegeben, dass er nicht moppern sollte, dass andere Medien schon am Montag auf das Linken-Dilemma in Thüringen geschaut haben. Name muss nicht Programm sein.

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