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Andreas Mijic

Freelancer, Thinktank, former ARD, Artist


Weimer Autoritär UndFeige

Es ist ja in der wechselhaften deutschen Geschichte kein Novum, das uns Kulturstaatsminister Wolfram Weimer dieser Tage vorführt. Die Melange zwischen autoritärer Gebärde und gepflegter Feigheit hat ihre unrühmlichen Vorbilder. Dass der parteilose, aber deswegen längst nicht unparteiische Kulturkämpfer, kaum dass die „Berlinale“ vorbei ist, mit dem Buchhandlungspreis ein neues Feld seiner destruktiven Politik ausgeguckt hat, ist bitter. Zeigt andererseits aber nur, was seit seiner Bestellung auf den ministeriellen Posten durch Bundeskanzler Friedrich Merz, ein Bro im Geiste, eh die Spatzen von den Dächern der Republik pfeifen. Mit ihm, Wolfram Weimer, der sich von einer zu anderen fragwürdigen Volte robbt, würde sich, so vorsehungshalber von Beginn seiner Amtszeit die Kritik, die rechtskonservative Büchse Pandora öffnen. Und so kommt es, dass der Büchsenöffner Weimer der Kultur im Lande immer weiteren und schlimmeren Schaden zufügt.

Nicht genug, dass er das so genannte Haber-Verfahren, eine Art Radikalenerlass jetzt auch in der Kultur, hernimmt, um nach Schlechtdünken, angetrieben durch angeblich mahnende „verfassungsschutzrelevante“ Erkenntnisse, um drei Buchhandlungen, die von der Jury für den jüngsten Buchhandlungspreis ausgewählt worden waren, vom Preis auszuschließen. Sondern er sagt, gewahr werdend, wie sich eine gewaltige Protestwelle gegen seine Entscheidung auftürmt, die die Preisverleihung bei der Leipziger Buchmesse mitreißen könnte, diesen Termin schnurstracks einfach ab. Die Debatte um die Nicht-Berücksichtigung von drei Juryvorschlägen drohe „den eigentlichen Sinn der Veranstaltung – nämlich die Auszeichnung und Ehrung unabhängiger Buchhandlungen – zunehmend zu überlagern“, heißt es zur Begründung. Dass sein autoritärer Stil das Problem ist, null Erkenntnis. Weimer bleibt im allergrößten Zweifel am Liebsten allein zu Haus.

Mindestens dreimal hat Weimer derart gepatzt, dass ihm unter integren Umständen der Sessel unterm Amtsallerwertesten hätte weggezogen werden müssen. Seine mehr als umstrittenen politprominenten Stelldicheins am Tegernsee, der „Berlinale“-„Eklat“, der Weimers Eklat war, weswegen Festival-Chefin Tricia Tuttle weiter Festival-Chefin bleibt, und jetzt der Buchhandlungspreis-Skandal. Das Fass ist längst übergelaufen. Man darf gespannt sein, wie lange sich die Bundesregierung diesen Zertrümmerer einer demokratischen und freien Kulturlandschaft noch leisten will. Oder leisten wird können. Die, um Weimers Worte aufzunehmen, Debatten um seine Art der Kulturpolitik beschädigen mittlerweile selbst die, die offene kulturelle Debatten aus der Welt schaffen möchten. Weil das Übermaß an Hybris auch krudesten Einschränkungsmanövern den Boden entzieht. Das Autoritäre wird mit Weimer allzu sichtbar und entblößt jede rechtskonservtive Subversität. Das kann dem „Mitte“-Kanzler Merz nicht wirklich gefallen.

Wenn Weimer glaubt, auch dieses Mal würde sich der Rauch um die Führung seines Staatsministeramts verflüchtigen, dann dürfte er sich geirrt haben. Der Buchhandlungs-Skandal wird auf der Leipziger Buchmesse nicht keine Rolle spielen. Zu sehr sind alle Buchhandlungen, denen dort der ihnen qua Jury zugedachte Preis öffentlich verliehen werden sollte, düpiert worden. Zu groß ist der Unmut über Weimer, zu breit der Widerstand gegen ein derartiges „Verständnis“ von Kulturpolitik. Das Gute: Er lässt nicht nach. Jeden Tag sind die Medien voll von Kritik. Und es ist nicht auszuschließen, dass Weimer, mit dem Rücken zur Wand, einen weiteren Dreh sucht, sich aus der Affäre zu ziehen und anderen die Schuld am politischen Desaster zu geben. Dieser Skandal wird, das darf als sicher gelten, mehr noch als andere, an der schwindenden Reputation des Kulturstaatsministers kleben. Will er die Reputation seines Amtes retten, sollte er den Koffer packen.



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