Noch nie in Graz, noch nie in der Südsteiermark gewesen. Bis zu diesen Tagen. Ein Fehler! Vielleicht muss man sich die Region aufheben. Weil sie einen in einen Bann zieht, von dem man nicht mehr loskommen mag. Weil einen Stadt und Land dort umschmeicheln. Auf eine besonders unbeschwerte Art. Drei Tage haben gereicht, ein, dieses erste Mal, kurzer Ausflug, um zu wissen, wie das ist mit der Liebe auf den ersten Blick zu einer Gegend, einer Landschaft, die in der Sonne so wunderbar leicht gezeichnet ist. So warm, so hell, so lebenszugewandt.

Der Kultursprung vom alles in allem verhärmten Istrien, das hier und da italienisch sein will, es aber nicht wirklich fertigbringt, ins steirische Austria ist gnadenlos wunderbar. Von der Toscana mag man viel schwärmen, von den Hügeln und den Zypressen darauf. So viele bezaubernd rebenbepflanzte Hügel wie südlich von Graz, so viele Wäldchen und immer wieder Lichtungen, lassen einem Augen und Herz aufgehen. Kaum ist man übern Berg, leuchtet schon, zwischen kleinen Wäldchen, der nächste Weinhang den Weg.






Das freundlich Kernige der Menschen findet sich auch im Kernöl, das überm Salat geträufelt die Zunge genusssüchtig macht. Und redseelig macht der Muskateller, der als, so nehme ich es mit, fließende Inkarnation in schlanke Gläser gegossen wird. Überall zwischen und auf und an kleinen Erhebungen, zeigen Buschenschänken, wie erhaben das vermeintlich Einfache sein kann. Der Käse, das marinierte saure Rindfleisch, der Schinken, das Gemüse, die vielerlei Aufstriche, das Brot nicht zuletzt. Schönste Gaumenkitzeleien.
Es ist diese Mixtur aus Zünftigem und Feinem, das Spielerische, das sich einem zaghaft an den Hals wirft. Ohne unangenehme Aufdringlichkeit, sanft wie es einem Mentalität dort zu sein erscheint. Es ist eine Lebendigkeit und Lebenszugewandtheit, die wie versteckt daher kommt. Und dennoch in jedem Winkel, auch dem noch so ruhigen, spürbar ist. Eine anregende Unaufgeregtheit macht sich da breit, die etwas waches Kontemplatives hat. Eine zurückhaltende Aufmerksamkeit. Ein unmerkliches Aufeinanderzugehen.
Wer von Süden kommt und auf der Autobahn auf Graz zufährt, sieht das westlich gelegene Wunder kaum. Erst wer von Graz über die Landstraße in die Weinberge chauffiert, dem wird die Schönheit offenbar. Gerade noch in der zweitgrößten Stadt Österreichs gewesen. Mit ihrer großen und kleinen Kunst, der Altstadt, den Villenvierteln. Mit ihrer Vielfalt zwischen alter und junger Architektur. Mit Vinotheken, Cafés, Restaurants, Lädchen und Läden. Mit dem Ausblick vom Schlossberg über die weite der Häuser und Bauten.









Zwischen Allem fließt die Mur. Die so quirlig ist wie die Menschen. Darf man zwischen den Ufern schwimmen? Besser nicht. Ein Schlauchboot, darinnen ein paar Mutige, wird von Stromschnellen hin und her geworfen. Von Weitem wirkt die Mur sanft. Aus der Nähe kraftvoll. Das ist in etwa auch die Melange, mit der sich beschreiben lässt, wie sich Graz anfühlt. Temperamentvoll. Schwankend zwischen weltoffenem Understatement und bodenständiger Lust am Leben. Da die Neugier, dort das Wissen, wer man ist, ohne wer sein zu müssen.



Das ist denn auch die Atmosphäre, die die Südsteiermark vermittelt. Es gibt, jedenfalls fühlte es sich auch nach genauerem Hingeben so an, nicht das Bestreben, etwas her machen zu wollen. Nichts Aufgesetztes. Es gibt nicht diese Art von Romantik, die schnell überläuft und zum Kitsch neigt. Zur Unwirklichkeit. Was einem gegeben wird, ist das Untrügliche, das Wohlsein beim Anblick der unverstellten Natur. Und den unverstellten Darbietungen darin. Da möcht man, wenn man daheim ist, gleich wieder umkehren.

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