Ich bin ja als Ex-Mann des Öffentlich-Rechtlichen nicht oft einverstanden mit dem, was FAZ-Autor Michael Hanfeld so schreibt. Zu seinem Beitrag über den Weggang der Vorzeige-Journalisten Anja Reich-Osang bei der Berliner Zeitung kann ich allerdings nur sagen: Chapeau! Bis auf den etwas holprig-sarkastischen Anfang, in dem Hanfeld nicht mit einem Seitenhieb auf eine vermeintlich nahezu regelbasierte Kritik am Verleger Holger Friedrich spart, trifft seine Kolumne, um ein sprichwörtliches Bild zu bemühen, den Nagel auf den Kopf. Den nämlich von Holger Friedrich. Der, so Hanfeld sinngemäß zusammengefasst, wieder einmal seinen gewohnten Jammerton bemüht, um ebenso vielfache wie gerechtfertigte Kritik an seinem Wirken, neuerdings auch beim Schwesterschiff Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ), abzuwettern.
Wer in homöopathischen Abständen ins OAZ-Portal schaut, findet zweierlei, das quasi symptomatisch für den Friedrich-Stall ist. Zum Einen Artikel, die den Kurs des Verlegers untermauern. Russlandfreundlich. Ostumgarnend. Und rechtsdriftend. Womit er dem Titel seiner neuen Mediengeburt den offenbar passenden Drive geben möchte. Vor allem aber auch eine Redaktion der vergleichsweisen No-Names. Bis auf Ausnahmen, vielleicht Florian Warweg, von dem ich behaupten möchte, dass er nirgendwo anders mehr in einem auch nur halbwegs seriösen Laden journalistisch Unterschlupf finden würde, ploppen dort Menschen auf, die, man verzeihe mir, wenn ich ihnen zu nahe treten sollte, eher zur zweiten oder dritten Liga medialen Schaffens gehören. Von so genannten Edelfedern jedenfalls ist dort keine Spur ablesbar.
Dass ein Dorian Baganz, der vom Freitag kam und kürzlich als Chefredakteur der OAZ (Sitz Dresden) den Dienst quittiert hat, weiter unter Redaktion auftaucht, zeigt das ganze Dilemma. Das wird etwa auch bei dem Mutter“blatt“ Berliner Zeitung ersichtlich. Dort hat es einer der letzten Chefredakteure kaum eine Essenpause lang durchgehalten. Nach wenigen Augenblicken gab er seiner neuen Journaille den Laufpass. Holger Friedrich muss sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob er nicht künftig Journalist*innen als Geiseln an sich ketten will. OAZ-Gefangene etwa bei Wasser und trocken Brot. Oder ob er sich umschaut, wer bei der AfD des Schreibens mächtig ist. Vielleicht ja bei Onkel oder Tante im Abgeordnetenbüro geübt hat. In Sachen Gesinnung dürfte derlei Leiharbeiterschaft wohl kaum ein Problem sein.
AfD, zu hart? Es gehe nicht mehr um ostdeutsche Souveränität, so Franz Sommerfeld, einst Berliner Zeitung-Vize, später Dumont-Vorstand, zum Abschied von Anja Reich-Osang in Berlin. Das Blatt werde stattdessen zu einem Instrument, um den politischen Aufstieg der AfD publizistisch zu fördern und Verständnis für russische Politik zu wecken. Dem fügte Michael Hanfeld kurz und knapp an: Damit finden wir Friedrichs Kurs recht zutreffend umschrieben. Er, also Friedrich, sehe das selbstverständlich nicht so. Sondern versichere seinen Lesern – einen, der ihm angeblich geschrieben hat, schiebt er als Pappkameraden vor, um seine Selbsterklärung zu begründen –, dass es ‚keine wie immer geartete, ideologische Umwandlung der Berliner Zeitung‘“gebe. Das würde er vermutlich auch bezüglich der OAZ sagen.
Ob Gesinnung oder Gesinnungsheuchelei allerdings auch finanziell tragen, das bleibt dahingstellt. Man kann, wenn man aufmerksam in den Medienwald hineinhorcht, schon munkeln hören, dass das Projekt OAZ nicht wirklich langfristig über Wasser zu halten ist. Schon gar nicht, wenn dort wie bei der Berliner Zeitung bekanntes Personal das Weite sucht. Da kann Friederich noch so sehr rudern. Und Autoren bemühen, die sonst allerdings auch nur aus rechten Nischen kriechen. Es wird ihm auf Dauer nicht helfen. Das ist nicht nur Hoffnung in seriösen Kreisen. Oder gar Schadenfreude. Beim Sahra-Wagenknecht-Projekt BSW hat man sehen können, wohin etwa allzu große Kreml-Nähe führt. Ins Bodenlose. Selbst wenn die AfD bei den nächsten Wahlen Ost-Furore feiert. Ihre rechte Agenda zahlt sich nicht automatisch medial aus.

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