Wer macht die Regeln der Fußball-WM? Die FIFA? Von wegen. US-Präsident Donald Trump höchstpersönlich zeigt, wer im Gastgeberland USA Herr im Haus ist. Und notfalls Ober-Referee. Die Pfeife, sorry, der Mann mit der Pfeife ist im Zweifel niemand anderes als ER: Mr. President. Der weiß, was ein Autokrat seines Formats zu tun hat, wenn ein Spieler der Heimmannschaft rot sieht. Ein Anruf bei Gianni Infantino. Und Folarin Balogun darf natürlich gegen Belgien auflaufen. Auf Bewährung. Aber egal. Sein Aussetzen nach dem Aussetzer ist vom Tisch. Das Oval Office hat gesprochen. Fernmündlich. Die Worte des Präsidenten haben den Präsidenten erreicht. Das zählt. So jedenfalls erzählen es Medien. Die Informationen werden sich vermutlich nicht bis zur endgültigen Weisheit erhärten lassen. Aber wie textet die FAZ: Schon der Anschein der Einflussnahme ist fatal. Fatalismus freilich ist die Hauptsportart von Trump. Das Spielfeld im Zweifel: Das Weiße Haus.
Einzig erdenkliche Konsequenz im Sinne der Integrität: Wäre es, Belgien würde nach Hause fahren. Mitsamt den anderen noch im Wettbewerbe befindlichen Nationalmannschaften. WM: bullshit. Doch es wird, davon darf man ausgehen, auch diese vermutliche Volte von Trump geschluckt werden. Wie sollte es anders sein, wurde das Freispiel, so die FAZ, auf Truth Social, der Lügen-Page des US-Präsidenten begrüßt: Thank you to FIFA for doing what was right, and reversing a great injustice! President DONALD J. TRUMP – so hat es laut X auf der präsidialen Seite geheißen. Vielen Dank an die Fifa, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist, und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt. Ungerecht ist nicht etwa Trump, der hier seinen Kickern einen Vorteil verschafft haben mag. Ungerecht sind die klaren Sperre-Regeln! Ein FIFA-Vize soll dem Tagesspiegel zufolge den einzig denkbaren Kommentar abgegeben haben.: Eine absolute Schande! Eine saubre Sache ist das Ganze nicht.
Derweil wird diskutiert, ob vielleicht die Rote Karte für Balogun etwas übertrieben war. Demnach war sein Tritt gegen Tarik Muharemovic im Spiel der USA gegen Bosnien-Herzegowina zwar hart, aber eventuell unabsichtlich. Doch wie das – auch bei der WM – so ist: der Video Assistant Referee (VAR), das „oberste Gericht“ der Regelüberwachung während der Spiele, hatte die Situation überprüft und die Ahndung für sportlich rechtens befunden. Doch Artikel 27 des so genannten Disziplinarreglements wurde höher gestellt. Danach kann eine derartige Bestrafung ganz oder teilweise ausgesetzt werden. Artikel 27, das sei der Fairness halber gesagt, ist nicht zum ersten Mal angewandt worden. Details seien ausgespart, aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass mutmaßlich ein Präsident, also die Politik in die Klärung der Angelegenheit eingegriffen hat. Das ist Wenigstens: Bemerkenswert. Und möglicherweise Beschiss von allerhöchster Stelle.
Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben bislang nur einen Ton zu dem Prozedere von sich gegeben. Das werden sie, davon kann man ausgehen, auch morgen oder übermorgen nicht tun. Wer vom Weltfußballverband-Boss Infantino einen Friedenspreis bekommt, obschon er nirgendwo ein belastbares Kriegsende herbeigeführt hat, der darf sich auch in Fußball-Fragen der Servilität des FIFA-Chefs sicher sein. Auf der FIFA-Seite selbst wird nur trocken und ohne größere Umschweife angekündigt, dass man auf Artikel-Basis entschieden habe. Was bleibt ist der Eindruck, dass es bei der Fußball-WM und deren Zukunft eine Karte geben kann, die mehr zählt, als die Rote: das ist die Karte, die der Präsident eines Teilnehmerstaates zieht. Wenn er denn mächtig zu sein scheint wie Donald Trump. Dass davon der NATO-Gipfel in der Türkei überschattet wird, ist kaum annehmbar. Da hat Trump schon wieder anderes im Sinn: Stichwort Grönland.

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