Wer die Fußball-WM 2026 mit Blick auf die USA noch, wie Gianni Infantino auf Instagram, als, ja: die größte und inklusive Weltmeisterschaft der Geschichte ausruft, dem muss irgendwann mal ein Ball knallhart an den Kopf geflogen sein. Mit bleibenden Schäden. Nicht anders ist zu erklären, dass Infantino auch jetzt, nachdem einem vom Fußball-Weltverband gesetzter Schiedsrichter aus Somalia die Einreise ins Trump-Land verweigert wurde, nicht damit einhält, den US-amertikanischen Gastgeber und seine politisch, vor allem aber auch sportpolitisch verwerflichen Manieren zu ignorieren. Amerika sei, so zitiert ntv den FIFA-Boss, bereit, die Welt willkommen zu heißen. Bis auf Omar Artan. Der war schon in Miami angelandet, als ihm die Grenzbehörde CBP die Einreise verweigerte. Sein Visum war schon erteilt. Da gab es, wie es heißt, Bedenken bei der Sicherheitsprüfung. Und die FIFA? Machtlos? Nur, wenn sie so will.
Und anscheinend will sie so. Der Journalist Chaled Nahar, den ntv zitiert, erinnere sich auf Sportschau.de an eine Ansage von Infantino aus dem Jahr 2017. Damals gab der Fußball-Weltchef zu verstehen: Es sei offensichtlich, dass alle Teams, Funktionäre und Fans Zugang zum Ausrichterland haben müssen. Sonst gebe es keine WM, das ist klar. Die Vorgaben werden klar sein. Und dann kann jedes Land entscheiden, ob es sich bewirbt. Nun könnte man das als zwingende Ansage verstehen, die WM noch vor dem ersten Anstoß zu canceln. Das aber steht nicht in dem Zitat. Denn danach hätte die USA quasi selbst drauf kommen müssen, dass ihre Bedingungen nicht dem FIFA-Prozedere entsprechen. Nur Präsident Trump würde einen Teufel tun, auf irgendetwas selbst zu kommen. Sein Wesen vernebelt ihm auch beim Sport den Geist. Und mit ihm den von Infantino. Man darf also sicher sein, dass die WM pünktlich angepfiffen wird. Und Omar Artan draußen bleibt.
Soweit zum Referee aus Somalia, das in den USA neben vielen anderen Ländern auf der Liste der NoGo-Staaten steht. Wo Infantino den roten Teppich nicht nur für Spieler, selbstverständlich Funktionäre, aber auch alle Fans ausgerollt sah, hatte Trump wissen lassen, dass Menschen aus 17 Ländern die Einreise erschwert werde. Inzwischen seien es 75 Länder, ist bei ntv zu lesen. Weil Krieg ist, ist natürlich auch der Iran betroffen. Mitsamt unliebsamen afrikanischen Besucher*innen. Einen solchen Wust von Einschränkungen haben es nichtmal bei der WM in Russland (2018) oder der in Katar (2022) geben – wiewohl man auch da grundsätzlich über die Gastgeberschaft diskutieren konnte. Aber bitte schon: Will man den, dem man einen FIFA-Friedenpreis verlieh, jetzt eines sportfeindlichen Verhaltens bezichtigen und den Spaß verderben? Iwo, da würde man Infantino nicht kennen. Bei einem Pressetermin im Oval Office zeigte der sich biegsam bis zum sinnbildlichen Füßelecken: Wir machen uns keine Sorgen. Über nichts. Das nenn ich echtes Fairplay.
Daniel Cohn-Bendit nahm auf tazFuturZwei den Ball auf. Donald Trump, die FIFA, 48 Teams, drei Länder, permanent hin- und herfliegen, die exorbitanten Ticketpreise, die ganzen Bezahlsender, das ökologische Desaster, da muss man sagen: alles scheiße. Trump muss in die Hölle, FIFA-Präsident Infantino gleich mit! Man kann eine ellenlange Liste machen, was alles nicht geht und was wir nicht mehr wollen. Aber, so der Altgrüne mit bedachter Verzeihensmiene und im Fußball-Rausch: das Rationale und das Irrationale kriegt man nicht zusammen. Nee, roter Dany, zusammen kriegt man das nicht. Gerade die nicht, die, wie du sagst, das Spiel lieben. Und einfach, wie im CL-Halbfinale Paris-St-Germain/FC Bayern einfach solche großartigen und bewegenden Fußball sehen wollen. Bei dem auch viel Geld im Spiel sei. Wieder, so C-B, so ein Ding, dass sich nicht ethisch auflösen lasse. Er werde jedenfalls also den Fernseher einschalten. Besser so. Denn ob ihm die Einreise erlaubt worden wäre, ist mehr als fraglich. Er kann ja, nur mal so, Omar Artan zu sich nach Hause einladen.
Dass den Dany aber schon irgendwie das Gewissen plagte, hat er gleich zu Anfang seiner kurzen Kolumne deutlich gemacht. Ja. Ganz klar. Der Fernseher müsste ausgeschaltet bleiben. Man denke sich das Wörtchen eigentlich. Das wird, so zu vermuten, die ganze AM lang über den Plätzen schweben, zumindest über denen im Gastgeberland USA. Eigentlich geht das gar nicht, eine Fußball-WM im Land eines derart unberechenbaren Präsidenten. Und eigentlich geht das gar nicht, den Fußball derart unter die Knute der Politik zu zwingen. Und eigentlich müssten, wenn die WM, ein sportliches Ereignis ist, alles, die den Sport lieben, ins Land dürfen. Und eigentlich müsste es einen FIFA-Präsidenten geben, der einen Arsch in der Hose hat und den Fußball gegen foulbeladene Sturmläufe verteidigt. Und eigentlich sollten die Fernsehanstalten der freien Welt die Welt des Donald Trump während der AM boykottieren. Und eigentlich sollte Omar Artan seinen Job machen. Weil er das nicht darf, sollten wir eigentlich unseren machen. Trump allein im Stadion. Das wäre der Videobeweis für sportliche Haltung!

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