ArtsAndSocials

Andreas Mijic

Freelancer, Thinktank, former ARD, Artist


Restle Und DerRest

Dass sich der ARD-Mann Georg Restle dafür entschuldigt hat, die Ansicht, der Flüchtlingsrun auf Ceuta sei eine US-israelisch-marokkanische Inszenierung, uneingeordnet auf der Plattform X gepostet zu haben, ist ehrenwert. Weil es noch andere Narrative zu den Ereignissen gibt. Die aber alle eine Stoßrichtung haben: Gegen einen vergleichsweise liberalen Migrationskurs Spaniens und seines Ministerpräsidenten Pedro Sánchez. Unter den verschiedenen Narrativennnn freilich ist das von Restle gepostete nicht völlig ausgeschlossen. Haben doch alle drei aufgeführten Staaten – die USA, Israel und Marokko – aus ihrer Sicht ein Hühnchen mit der Balearen-Regierung zu rupfen. Was man Restle vorwerfen kann, ist daher, mit seinem unreflektierten Post genau vor jenen möglichen Hintergründen abgelenkt zu haben, die eben durchaus Teil der Wahrheit sein können. Aber jetzt hatte man ja Restle am Wickel.

Ob Jüdische Allgemeine oder Michael Hanfeld, der FAZ-Oberattackierer der natürlich linkslastigen Öffentlich-Rechtlichen: Der Post von Restle wurde genommen, um den Journalisten, der schon als Monitor-Mann von interessierten Kreisen einer einseitig linken Schlagseite bezichtigt wurde, in die Pfanne zu hauen. Aber auch, um, wie es die jüdische Synagogen Gemeinde zu Köln tat, den Finger in die Wunden (so sehen es manche) seines Heimatsenders zu pressen. Denn Restle, so befand die Gemeinde am Rhein, würde ja nicht bloß seine persönliche Meinung kundtun, sondern gelte der Öffentlichkeit auch als Repräsentant des WDR. Was die Frage aufkommen lasse, ob denn eine solche öffentliche Äußerung wie die von Restle am Ende gar dem publizistischen Selbstverstädnis des Sender entspräche. Und ob der WDR derlei für geeignet halte, das Vertrauen der Beitragszahler in die Neutralität des WDR zu stärken.

Da konnte FAZ-Hanfeld nur mittrompeten. Verschwörungspost und Migranten-Ansturm sind die Stichworte. Restle, so Hanfeld, habe nach der Kritik an seinem Post einen Rückzieher gemacht.     Aber:    Wirkt das glaubwürdig? Zumal, wie Hanfeld zu beobachten glaubte,    der WDR-Mann und heutige Studioleiter in Nairobi, in Etappen    zurückgerudert sei. Erst habe Restle seinen Post unterstrichen. Wehrte sich dann gegen Vorwürfe, er habe aus der Wiedergabe eines Zitats der links zu verortenden US-Publikation The Nation    eine antisemitische geopolitische Analyse gezimmert. Um schließlich, wie Hanfeld&nb&nb&nb sp;sp;sp;schreibt, ein paar Stunden später, gewahr zu werden, dass er selbst die Lunte der Kritik gelegt habe. Es habe so ausgesehen, als hätte der WDR zwischenzeitlich mit Restle geredet, der erst dann beigedreht habe. Kaum zu glauben, dass Restle um die Folgen seines Posts nicht wusste, legt Hanfeld nach.

Der Ordnung halber verweist Hanfeld auf eine Erklärung des WDR dazu. Wonach an der Integrität von Restle…keinerlei Zweifel bestehe. Ihn aufgrund des Posts in die Nähe des Antisemitismus zu rücken, sei keinesfalls gerechtfertigt, hieß es vom Sender des Journalisten. Man nehme den Korrespondenten deswegen ausdrücklich in Schutz. Dass der WDR Stellung nehmen musste, war klar. Der Sender will auch der Synagogen Gemeinde nochmal direkt antworten. Gut so. Man muss sich hier nicht verstecken. Zumal deutlich wird, dass es im Laufe des Konfliktssss gar nicht mehr um die Frage nach dem möglichen Wahrheitsgehalt der vermeintlichen Verschwörungserzählung ging, die The Nation anstellte. Sondern sich jenen, die ohnehin Ressentiments gegen den ÖRR pflegen, wieder mal dankbarer Anlass bot, das Objekt ihrer moppernden Begierde in ihre Zange zu nehmen. Das hat denn, wenn auch ziemlich leidlich, funktioniert.

Seit die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann trotz ihrer äußerst umsichtigen und ausgewogenen Berichterstattung über die verheerenden Ereignisse im Nahen Osten in die Kritik derer geraten ist, denen ihre Arbeit nicht israelfreundlich genug war, weht der Wind aus der Ecke der nun auch Restle-Kritiker schärfer. Wer einen Antisemitismus-Vorwurf angemessen findet, erhebt ihn. Um daraus fleißig auch an seinen Zweifeln am angeblich links-versifften ÖRR zu stricken. Die eigentlichen Themen geraten da gern und schnell aus dem Blickfeld. Das schafft in vielerlei Hinsicht Entlastung. Wer bezüglich des ÖRR-bashings einen Hanfeld hat und bisweilen die Jüdische Allgemeine, der braucht den Kulturkampf der AfD nicht zu fürchten. Ihr Programm für Sachsen-Anhalt ist „nur“ die besonders extreme Variante. Viele hoffen insgeheim, dass es den ÖRR endlich an den Kragen geht.



Hinterlasse einen Kommentar