Es war 2001, als der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer erlebte, wie einen die Vergangenheit einholt. Der Stern veröffentlichte ein Foto aus Fischers Sponti-Jahren. Es zeigt den Grünen zur Zeit der Häuserkämpfe in Frankfurt am Main. Aufgenommen vom FAZ-Fotografen Lutz Kleinhans. Im April 1973. Es zeigt, wie bei dem, was damals Straßenschlacht hieß, Fischer mit Motorradhelm, wie er gemeinsam mit anderen der Sponti-Szene, bekannt als Putztruppe, auf einen Polizisten losging. Aufgespürt hatte das Foto Bettina Röhl, die Tochter von Ulrike Meinhof. Die BILD-Zeitung fuhr daraufhin eine Kampagne – Vom Steinewerfer zum Außenminister. Und versuchte, das Image des Außenministers zu beschädigen. Fischer distanzierte sich von früheren Gewaltaktionen, bot dem Polizisten ein Versöhnungsgespräch an – und bezeichnete das, was über ihn medial hereinbrach als das, was es war: Eine Schmutzkampagne. Und blieb Chef im Auswärtigen Amt.
Es war der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, SPD, der souverän an ihm festhielt. Vielleicht, weil er als ehemaliger Stamokap-Sozi mit Hang zu dezidiert linker Sozialdemokratie um den Unterschied zwischen Vergangenheit und einer herausfordernden Gegenwart wusste. Möglicherweise aber auch, weil er sich nicht zum Büttel leicht zu durchschauender Ressentiments machen wollte. Konservative und ihre medialen Helfershelfer nahmen schon damals alle noch so billigen Rückgriffe zum Anlass, gegen rot-grün zu schießen. So geht es nun auch mit Elif Eralp, der Linken, die drauf und dran ist, das Amt der Berliner Regierenden Bürgermeisterin anzutreten. Wenn SPD und Grüne mitspielen. Dass das nicht passiert, dafür tun interessierte Kreise in Politik und Medien alles. Auch wenn ersichtlich ist, wie groß die Diskrepanz zwischen Angriffen und ihren Gründen ist. Billige Kampagnen sind die Spezialität von Politik und Medien.
Was eine Kampagne ist? Wenn sich Medien auf Dinge stürzen, die ihnen längst bekannt sein müssten. Würden sie wirklich ihrem selbstgepflegten Ruf gerecht, zu graben, wo andere sich die Finger nicht schmutzig machen wollen. Doch sie rennen offene Türen ein und machen daraus vermeintlich große Enthüllung. Musste sich Elif Eralp nach dem Sieg der Linken bei der Berlin-Wahl zunächst damit rumschlagen, dass es auch in ihren Reihen Mitglieder gibt, die der Partei schaden – hier, indem sie zu antisemitischen Ausfällen und Kontakten ins kriminelle Milieu neigen (andere haben Kriminelle mit Parteibuch), wird ihr nun die frühere Mitgliedschaft beim Rote Hilfe e.V. unter die Nase gerieben. Die ist zwar nach Parteiangaben schon immer transparent gemacht worden. Aber wenn Journalisten eines beherrschen: dann olle Kamellen als neue Erkenntnis zu verkaufen. So tut es die FAZ und die Lemminge folgen ihr. Denn es lässt sich eine radikale Erzählung stricken…
Die handelt von einer Studentin, die schon als angehende Juristen Menschen unterstützen wollte, die sich sozial und links engagierten. Und die sich, wenn sie mit dem Recht in Konflikt kamen, nicht über de nötigen finanziellen Mittel für eine(n) Anwalt/Anwältin verfügten, wie der Tagesspiegel weiterträgt. Es war klar, dass der Verein schnell in Verruf geraten würde. Wie zitiert doch der Verfassungsschutz aus der Satzung: Er verstehe sich als linke Schutz- und Solidaritätsorganisation. Im Behörden-Bericht von 2025 heißt es, die Rote Hilfe unterstütze von Strafermittlungen Betroffene materiell und politisch. Ausschlaggebend sei hier allein linke Motivation. Nicht alle Vereinsmitglieder verfolgten dabei verfassungsfeindliche Ziele. Aber es reiche, um den Laden zu beobachten. Stempel linksextremistisch. Wer da mitmacht(e), läuft Gefahr, unter die politischen Räder zu geraten. Das ist ganz offensichtlich auch das Kalkül der Medien, die sich über Elif Eralp hermachen.
Nicht alle Mitglieder unter dem Verdacht der Verfassungsfeindlichkeit? Egal, irgendwas wird hängenbleiben. Alle Medien drauf! Nein, nicht alle. Die taz und die Frankfurter Rundschau etwa fassten das Feuer, dass von Zeit und SZ über Bild und Roland Tichys Einblick entfacht wurde, von erstgenannten natürlich nur der nicht neuen Neuigkeit wegen, zunächst nicht an. Irgendwie war die heiße Ware nicht heiß. Sondern nur in der medialen Mikrowelle aufgewärmt. Wie die dazugehörigen medialen Gemüter. Mit Roter Hilfe an die Macht, war ein Kommentar von FAZ-Mann Jasper von Altenbockum fast kalauerhaft geheadlined. Der Vertreter der Zunft versucht immer wieder mal, rechte Breitseiten abzufeuern. Da hat einer sein Hobby zum Beruf gemacht. Meine Empfehlung: Lasst sie sich an ihrem Hobby ihre schwellenden Kämme verbrennen. Im ÖRR hieß das früher: Versendet sich. SPD und Grüne in Berlin sollten unterdessen wie ehedem Schröder bei Fischer COOL bleiben.
Anm: Infos zu Fischer sind KI-generiert, aber aus der Erinnerung gecheckt. Andere Infos, etwa zum Verfassungsschutz, stammen aus einem Beitrag des „Tagesspiegel“.

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