Man soll nie zu früh die Waffen strecken. Das gilt auch für die Berichterstattung über das Verhältnis von Springer-Chef Mathias Döpfner zu Bundeskanzler Friedrich Merz resp. umgekehrt. Denn wie jetzt ntv unter Berufung auf den Stern kundtut, hat der Springer-Verlag eingeräumt, dass es allerdings offenbar nicht sonderlich harmonisch verlaufene Gespräche zwischen den Beiden gab. Eines, wie es heißt, Ende 2024, das andere im Frühjahr 2026. Letzteres ist das Treffen, über dessen Inhalt(e) es reichlich Verwirrung gab. Wobei es am Ende so aussah, als müsste das RND (Redaktionsnetzwerk Deutschland) klein beigeben. Was dieses Treffen betrifft, geht es zwar schon wieder durcheinander. Was Frühjahr (2026) sein soll, ist im Verlaufe der Schilderungen plötzlich Januar 2026. Aber dass es zwischen Döpfner und Merz mächtig knirscht, scheint, davon darf man ausgehen, gesetzt.
Immer wieder wird von interessierter Seite – hier vor allem von Springer – versucht, mit Hilfe von Detail-Huberei vom Wesenskern öffentlicher Erzählungen abzulenken. Der Wesenskern heißt hier: Einflussnahme auf die Politik. Wie ntv den Stern wiedergibt, äußert sich Springer einigermaßen offen dazu. Da geht es natürlich nicht um Einflussnahme. Vielmehr habe Döpfner die Gelegenheit (welche das nun wieder war, wird bei ntv nicht völlig klar) genutzt, um mit Friedrich Merz über die AfD zu sprechen. Dabei habe Döpfner dem Kanzler nicht etwa einen anderen Umgang mit der AfD nahegelegt, sondern seine kritische Haltung zur AfD dargelegt und seine Verwunderung über anders lautende und offenbar gezielt gestreute Gerüchte dargelegt, wie das Medienhaus in Berlin dem Stern mitgeteilt haben soll. Und, so weiter: Döpfner lehne die AfD politisch strikt ab.
Darüber ließe sich mit Blick auf die alles in allem wohlwollenden Haltung Döpfners zum US-amerikanischen Regierungslager, etwa zu Vize-Präsident JD Vance, der der AfD immer wieder politisch zuspricht, freilich durchaus streiten. Die Grauzonen der Politik sind bisweilen undurchsichtig wie die Grauzonen, die auch deutsche Medien in ihrer Haltung etwa zur Brandmauer gegenüber Rechten und Rechtspopulisten gern bespielen. Zu ihnen gehört sehr wohl die Springer-Presse. Es wäre also nicht verwunderlich wenn Döpfner seine ganz eigene Lesart von dem hätte, was er so politistrategisch in Gesprächen mit Merz glaubte, loswerden zu müssen. Nach dem allseits immer wieder zu lesenden Motto: Natürlich sei man gegen die AfD, andererseits könne man ihre große Anhängerschaft und die Tatsache, dass sie in deutschen. Parlamenten sitze, nicht einfach ignorieren.
Man kennt diese im Tenor kruden Argumentationsmuster. Was bleibt, ist nicht bloß der Verdacht, dass Gespräche wie die zwischen Döpfner und Merz ein auffallendes Kräftemessen zwischen Medien und Politik signalisieren. Denn angeblich, so der ntv-Beitrag, soll es im Januar 2026 bei einem Wirtschaftsgipfel der Welt auch darum gegangen sein, dass sich Merz in Anwesenheit von Döpfner gegen scharfe Attacken der Springer-Medien auf ihn, den Kanzler der BRD, beschwert hat, in dem er Zitate gegen ihn vorlas. Etwa Er kann es einfach nicht oder die Bezeichnung als ihn, den Möchtegernkanzler. So jedenfalls hätten es, wie ntv den Stern wiedergibt, Teilnehmer des Gipfels berichtet. Die Stimmung zwischen Döpfner und Merz sei als eisig beschrieben worden. Was man sich angesichts dessen durchaus gut vorstellen kann. Und was beschreibt, wie das Kräftemessen voranschreitet.
Längst, so darf man wähnen, gibt es nicht nur einen von der AfD, allen voran der in Sachsen-Anhalt, forcierten Kulturkampf. Es gibt auch einen zwischen herrschender Politik und Medien, beispielsweise in Gestalt der Protagonisten Merz und Döpfner. Einen Kampf, bei dem herauszufinden versucht wird, wer über wen Hoheit entwickelt oder hat. Die vehemente Debatte über drastische Einschnitte beim Informationsfreiheitsgesetz (IFG), die gerade hochkocht und von der Union in der Regierung klar zielgerichtet angezettelt wurde, ist ein weiterer Baustein dieses kulturellen Schlagabtauschs. Die Einschnitte, so Kritiker:innen, laufen darauf hinauf, dass die Arbeit von Journalist:innen extrem eingeschränkt oder behindert wird. Das klingt schon arg nach dem, was die US-Regierung mit den Medien veranstaltet. Der Springer-Merz-Streit also nur eine weitere Facette im Kulturkampf?
In der weiteren Diskussion über das Verhältnis von Medien und Politik müsste es darum gehen, sich gar nicht so sehr in Details verwickeln zu lassen. Sondern anhand mehr oder weniger konkreter Züge eine Vorstellung davon zu geben, wie sehr Politik und Medien auf gegenseitige Einflussnahme und – siehe Einschnitte beim IFG – Gängelung setzen. In dieser Szenerie sollten sich die Medien weder zum Spielball großer, aus eigener Sicht omnipotenter Verlage, noch zum Spielball einer zur Übergriffigkeit neigenden Regierungspolitik machen lassen. Die Unabhängigkeit und das Selbstbewusstsein des Journalismus könnten sonst von beiden Seiten dauerhaft und zum eigenen Schaden in die Zange genommen werden. Es gilt, nicht die Vogelperspektive und damit den Überblick über das, was sich da gerade ereignet zu verlieren. Zum Kleinbeigeben besteht selten wirklich guter Grund.

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