Die Diskussion ist so alt wie, sagen wir mal: Die AfD. Reden mit Extremen. Reden mit Rechten. Das scheint manchen immer noch als Allheilmittel gegen das Narrativ von gemeiner Ausgrenzung. Die auch laut Stimmen derer, die sich gegen rechts stellen, politisch nach hinten losgehen kann. Auf der anderen Seite gibt es jene, die reden mit Rechten als verlorene demokratische Liebesmüh betrachten. Aus einem einfachen Grund: Rechten gehe es nicht um Debatte. Man könne mit ihnen nicht reden. Weil sie diesbezügliche Angebote nicht als Angebote für einen, wenngleich kontroversen Meinungstausch wahrnehmen. Sondern weil sie das Wesen von Diskussionen gar nicht verstehen. Sondern lediglich in der Lage sind, ihre Agenda loszuwerden. Am besten in Räumen ohne Widerspruch. Und weil sie, wenn er kommt, nichts Besseres wissen, als auszurasten. Meinungsaustausch ist nicht ihr Ding.
Dass diese Lesart nicht so falsch ist, beweist jüngst der Versuch der Funke-Podcasterin und -Digitalchefredakteurin Melanie Amann. Sie hatte den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider eingeladen. In bester Absicht, wie es klang, als sie das Format, das sie betreibt, ankündigte. Amann unframed – Gespräche, die den Rahmen sprengen sollte explizit Raum für kontroverse, aber respektvolle Debatten mit polarisierenden Persönlichkeiten bieten, wie es jetzt nochmal auf dem Medienportal kress wiedergegeben wurde – als redaktionelle Antwort auf den Vorwurf, große Medienhäuser blendeten unbequeme Stimmen aus. Premierengast war seinerzeit „ungeskriptet“-Host Ben Berndt. Der war durch sein Gespräch mit dem AfD-Ultra Björn Höcke gewissermaßen Anlass und Start der Amann-Inititive. Dass sie mit ihrem jüngsten Gast Tillschneider an die Wand fuhr, gibt denen, die reden mit Rechten für sinnlos halten, exemplarisch recht.
Der Podcast von Amann lief so schnell aus dem Ruder, wie die Synapsen von Rechten durchbrennen – und, wie man sah, nicht nur die Synapsen solcher Rechten, die selbst aus rechtsdriftender Sich nicht ganz bei Sinnen sind. Sondern auch die Synapsen derer, die verblendete AfD-Anhänger im demokratischen Spektrum wähnen. Weswegen sie im Osten der Republik locker an die 40 Prozent Wählerstimmen in Umfragen bekommen. Tillschneider jedenfalls, der als möglicher Minister in einer AfD-getragenen Regierung in Sachsen-Anhalt gehandelt wird, brach das Gespräch mit Amann just in dem Moment ab, als es ans Eingemachte, also das Interessante ging. An das, worüber gestritten können werden müsste, wenn ein Podcast seinem Anspruch gerecht werden will, der Politik auf den Leib zu rücken. Andere Politiker kommen dann in Wallungen. Tillschneider aber verließ die Szene. Podcast beendet.
Das Gespräch mit Tillschneider eskalierte in dem Moment, als Amann den Umgang der AfD mit früheren Mitgliedern der inzwischen verbotenen rechtsextremen Organisation Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) abfragen wollte. Und etwa eine Frage nach einem AfD-Mitglied stellte, dem der Generalbundesanwalt die Mitgliedschaft in der mutmaßlich rechtsterroristischen Organisation „Sächsische Separatisten“ vorwirft, wie es bei kress heißt. Demnach verschärfte sich bei weiteren Nachfragen Tillschneiders Ton: Er warf Amann „Hardcore-Framing“ vor, bezeichnet ihre Fragen als destruktiv und suggestiv und in höchstem Maße unfair – und verließ das Studio. Ausgerechnet in einem Format, das explizit gegen Framing-Vorwürfe positioniert wurde. Die Spannbreite rechter Debatten-Bereitschaft ist, so darf man urteilen, also nicht gerade riesig. Wo Finger in Wundern gelegt werden, werden sie sinnbildlich abgehackt.
Tillschneider ist Vorbild für eine Kultur, die beweist, dass Reden mit Rechten im Kern aussichtslos ist. Allemal dann, wenn es an den Kern der politischen Sache geht. Tillschneider ist, so die taz, Chefideologe der AfD. Das von ihm entworfene Programm der Partei in Sachsen-Anhalt könnte Anhalt dafür bieten, dass auch die Rechtsausleger zu gepflegten Gesprächen bereit sind. Sich also, wo immer sie gesinnungsgemäß stehen, an das halten und das aushalten, was man demokratische Regeln nennt. Selbst wenn man die Medien für versiffte Baracken einer systemgesteuerten Welt hält. Doch dieser Tillschneider, der in Kultur sieht, was nationale Identität stiften müsse und darauf wert legt, patriotisch daherzukommen, ist völkischer Sprache mächtig. Bei einer Gesprächskultur, die meinungsoffen ist, auch bezüglich von Gastgebern, versagt freilich jedwede Bereitschaft, zu reden.

Hinterlasse einen Kommentar