Nicht immer ernten Öffentlich-Rechtliche Lob für das, was sie tun. Im Grunde immer weniger, je näher der endgültige Durchmarsch der AfD in Sachsen-Anhalt rückt. An dessen Ende die Kündigung des MDR-Staatvertrags stehen könnte. Jetzt bekam das ZDF Rückendeckung vom Tagesspiegel. Explizit dafür, dass der Sender Jan Böhmermann, Kurt Krömer und seinen Reporter Fabian Köster ohne wenn und aber beisprang, die auf jeweils eigene Art und Weise ins Schussfeld der Kritik geraten sind, vorzugsweise aus der rechten Ecke, aber bleibe nicht nur. Köster wurde jüngst vom möglichen Ministerpräsidenten in spe (hängt unter anderem vom Verhalten der CDU im Landtag ab), Ulrich Siegmund, gefragt, ob er sich denn schon einen neuen Job gesucht habe. Das klang nicht gerade aufmunternd, eher bedrohlich. Aber Drohungen sind eine der besonders beliebten Spielarten der erstarkenden AfD.
Das soweit zur positiven Seite des ZDF. Und dazu, dass die, die dort Verantwortung tragen, nicht per se einknicken. Um so verwunderlich ist, dass die Tage von Böhmermanns Magazin Royal gezählt sind. Und stattdessen ein Format gezeigt werden soll, das sich schon im Vorfeld erhebliches Staunen eingefangen hat. Die Rede ist vom künftigen Journal Deluxe. Der Namen erweckt den Eindruck, als wolle man die scharfe Satire von Böhmermann toppen. Doch das Gegenteil könnte der Fall werden. Im Branchen-Dienst kress ist mit Verweis auf einen Beitrag von Stefan Niggemeier in der Süddeutschen Zeitung zu lesen, dass der Chef des rechten Nius-Portals zur Premiere eingeladen war. Und wieder ausgeladen worden ist. Dass er offenbar überhaupt Gast sein sollte, lehnt sich an die Agenda des Formats an, die angeblich bissig-lustig sein soll, was allerdings bezweifelt werden darf. Eher könnte es sich um eine Art Vorfeld-TV recht(s) fragwürdiger Polit-Kreise handeln.
Wenn Niggemeier mit dem, was er Anfang Oktober berichtete, nach wie vor richtig liegen sollte, dann soll sich Journal Deluxe vor allem den streitbaren Luxus leisten, allem voran Kritik an Grünen und Linken zu üben. Freilich nicht aus einem reaktionären, sondern einem böse-ironischen Blickwinkel der eigenen ‚Hood’ gegenüber, wie der SZ-Autor aus einem älteren Konzeptpapier (kress) zitiert. Als mögliche Gäste seien darin Alice Weidel, Ulf Poschardt und Peter Thiel gelistet, also die Hautevolee des rechten „Spaß“-Spektrums. Dass Reichelt, der eher zu den Kellnern der Szene zählt, nun offenbar einen Korb bekommen hat, lässt hoffen, dass das ZDF das Konzept nochmal eingehend überdenkt. Denn überzeugend demokratiefördernd klingt es nicht gerade. Vielmehr nach etwas, was die Öffentlichkeit jetzt weniger nötig hat.
Die Ausladung erfolgte, so zu lesen, nachdem sich Niggemeier näher mit den Deluxe-Plänen befasst hatte. Laut kress sei man beim ZDF in einem mehrstufigen Prozess, in dem Überlegungen nach redaktionellen Gesichtspunkten ausgewertet und überarbeitet werden. Wenn freilich die Ausgangslage so war, wie von Niggemeier beschrieben, so darf man zweifeln, dass die Auswertung grundlegend neue Erkenntnisse bringt. Dass es sich um einen Kontrapunkt zu allen gängigen Comedy-Formaten handeln könnte, wie Niggemeier wiedergibt, klingt wie Satire pur. Und lässt vermuten, dass es sich um einen Abklatsch von Dieter Nuhr (ARD) handeln dürfte. Angstfrei, interessiert, meinungsstark und cool werde Moderator Florian Schroeder daherkommen, wird angekündigt. Doch wieviel Mut bedarf es, wenn man sich auf der Linie gängigen, insbesondere selbstspiegelnden rechtskonservativen Spotts bewegt?
„Viele sagten, dass der Kampf gegen rechts vergeblich ist. Dabei gibt es auch Erfolge: Die Linken beweisen, man muss kein Nazi werden, um Antisemit zu sein, lässt Niggemeier den sprühenden Witz aus einer Art Kostprobe der Format-Macher durchsickern. Und dass, so fand er heraus, die aktuellen Kulturkämpfe via spielerischem Sarkasmus gespiegelt werden sollen. Das Alles zu einer Zeit, da gegen jüdische Stundent/innen ermittelt wird, die den Siegmund-Adlatus Hans-Thomas-Tillschneider bei seinem Versuch, auf eine Gedenkveranstaltung zum tödlichen rechten Terroranschag in Halle zu gelangen, einen „Nazi“ genannt haben sollen. Die Exekutive gegen Juden, weil die einen rechtsextremen AfD-Mann angeblich in die Faschismus-Ecke gerückt haben: Das wäre was für spielerischen Sarkasmus ohne Angst. Aber wer traut sich das schon, jetzt, da die rechten vor den Toren der ÖRR stehen. Da bleibt man lieber cool.

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