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Andreas Mijic

Freelancer, Thinktank, former ARD, Artist


Janosch, DemWahnsinn Entkommen

Janosch ist tot. Das ist die betrübliche Nachricht des Tages. Der Woche vermutlich. Denn dieser Janosch, der rechtzeitig, bevor die Welt „draußen“ in Schutt und Asche fiel, nach Teneriffa floh, in den kleinen Ort San Miguel de Abona, wusste um das Leben. Wer seinen ersten Roman Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm gelesen hat oder den Polski Blues, ahnt, wie nah beieinander Tragik, Liebe und Glück liegen können. 95 wurde der Zeichner und Schriftsteller. Der Schöpfer von Tigerente, Tiger und Bär. Sein Oh wie schön ist Panama ist die Geschichte von Träumen, die scheinbar fernab scheinen. Dabei liegen sie quasi vor der Tür. Das Zuhause, nach langer imaginärer Reise in ein Land weit entfernt, ist das eigentliche Paradies. Auch ich bin viel gereist, nicht nur in Gedanken. Doch wenn ich zurückkam und die Tür der Wohnung aufschloss, wusste ich um die Geborgenheit, die ich stets suchte. Und immer wieder fand.

Man wünschte, die Welt da „draußen“ wäre nur halb so schön. Ok, in den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht so weit weg von Panama, gibt es Hoffnung. US-Präsident Donald Trump und die Republikaner haben derart eins auf die Mütze bekommen, dass man vor Dankbarkeit weinen könnte. Die letzten politischen Tage von Trump, so knallte es einem am Morgen aus den Headlines der Medien entgegen, seien gezählt. Die Niederlage gegen die Demokraten Schmach für ihn und Zeichen der Zuversicht für das Land zugleich. Ach was, für den Kontinent, die Welt. Nun: Gemach, der Kerl regiert ja noch. Und man muss sich hüten, zu denken, er hätte nicht noch den einen oder anderen Irrsinn auf Lager, mit dem der Globus seit Beginn seiner 2.Amtszeit kämpft. Da lässt sich noch locker ein weiterer Krieg vom Zaun brechen. Eine weiterer Strang Trump’scher Hybris durch die Zeitzonen jagen. Aber das Ende naht.

Ein Ende der Kampagne gegen eine rot-grün-rote Regierung in Berlin wäre ebenfalls wünschenswert. Aber diesen Gefallen tun einem weder weite Teile der Politik noch der Medien. Ein Lichtblick war es, zu lesen, dass die CDU mit ihren schmierigen Avancen Richtung SPD und Grüne Schiffbruch erlitten hat. Noch jedenfalls kann die Schale um die Sondierungen und begonnenen Koalitionsverhandlungen in Deutschlands Hauptstadt nicht gebrochen werden. Obwohl sich weit über 1000 Sozis mächtig ins Zeug gelegt haben. Der Tagesspiegel, die FAZ – vorneweg DER SPIEGEL: Was müht man sich seit Wochen. Ohne Erfolg. Tja, das Votum der Wähler/innen ist bisweilen stärker als der Druck alter weißer Männer und Frauen. Pech gehabt: Ist Demokratie. Auch wenn das jene, die Elif Eralp mal mit Hetztiteln, mal drohend vom Amt der Regierenden Bürgermeisterin fernhalten wollen.

In Brandenburg macht man sich derweil Gedanken darüber, wie die Lücke, die die Autorin Juli Zeh beim Verfassungsgericht geschlagen hat, gefüllt werden könnte. Die AfD hat im Landesparlament mit ihrer Ein-Drittel-Macht nach Zehs Rückzug die Blockade auf ihrer Seite. Und könnte darauf beharren, erstmals eine/n Verfassungsrichter/in aus ihren Reihen zu benennen. Mit Überlastung hat Zeh ihren Schritt begründet. Und eine Art Pony Show abgezogen, so der Titel ihres neuen Romans, der nicht gerade überschäumend positive Kritik geerntet hat. Nun weiß man, dass Zeh eine gewisse Neigung hat, die AfD, vor allem ihre Anhänger nicht grundweg zu radikalverteufeln. Dass die Grünen ihr vorwerfen, verantwortungslos zu handeln, ist die harmlosere Kritik. Andere wittern, dass sie durchaus bewusst Ämtertüren öffnen wollte. Um vielleicht auch mal den Rechtsextremen eine Chance zu bieten.

Nun weiß man, dass Juli Zeh ein SPD-Parteibuch besitzt. Noch. Oder ist das vielleicht gar kein Hindernis zweifelhafte Seelen zu salben? Wenn man sieht, mit welcher Verve im SPD-Lager Unterschriften gegen ein Bündnis der Partei mit der Linken gesammelt werden – und wie sehr auf der anderen Seite das rechtsextreme Unterfangen in Sachsen-Anhalt nahezu in Vergessenheit zu geraten droht. Und wie sehr das nur darauf abzielen kann, mit einer grandios gescheiterten CDU auf ein Neues zu regieren. Dann kommt man unschwer darauf, dass die Synapsen aus der Ankerung gebrochen sein müssen. Ist es doch grotesk, der Linken pauschal Extremismusnähe unterzujubeln, während der scheidende Regierende Kai Wegner (CDU) in Sachen Terrorattacke auf Berlins Stromversorgung fulminant verpennt hatte. Auch die SPD-Phalanx kommt derzeit ziemlich clanhaft daher. Krach, bleib bloß bei Kasse!

Bleibt noch, was die politischen Koordinaten betrifft, der mittlerweile gewohnte Aussetzer von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Der die Proteste der Jugend nutzte, um hier wieder mal die Platte, linke Chaoten und Migranten seien an allem schuld, aufzulegen. Das passt haarscharf zu seiner Abschiebepolitik und Forderungen, das Demonstrationsrecht im Land einzuschränken. Kleine Nachhilfe: Eine Mehrheit von 83 Prozent hat nach einer Umfrage von Stern/RTL Verständnis dafür, dass Hunderttausende junger Menschen gegen Sozialabbau, für mehr Bildung und Klimaschutz auf die Straße gehen. In der taz fasst Charlotte Wiedemann eindrucksvoll zusammen, wie Maßlosigkeit in der Politik um sich greift. Sie reiste auf der Suche nach Abstand von all dem Wahnsinn kürzlich ausgerechnet nach Paris. Da war Janosch mit Teneriffa vor Jahrzehnten um Längen vorausschauender.



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